Ayurveda - ihr Körper wird es danken

Ayurveda ist wahrscheinlich das älteste Wissen über Heilungsprozesse. Es beruht auf den Theorien und Erfahrungen von Philosophen und Heilern, die erkannt hatten, dass Gesundheit und Wohlbefinden nicht nur körperliche Ursachen haben, sondern auch von Geist, Seele und Bewusstsein beeinflusst werden. Dieses Erkenntnissystem zielt nicht bloß auf die Heilung von Krankheiten ab, sondern versucht, Körper und Seele zu harmonisieren und ihr natürliches Gleichgewicht wiederherzustellen. Auch im Westen erkennt man zu-nehmend die Bedeutung dieser Zusammenhänge für das menschliche Wohlbefinden, zumal bei verschie-denen Krankheitsbildern ayurvedische Behandlungen dauerhafte Erfolge zeigten, die die Schulmedizin nie für möglich gehalten hätte.

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Die Wissenschaft vom Leben -
ein Geschenk der Götter

Ayurveda bedeutet "Wissen vom Leben" (ayur = Leben,
veda = Wissen) und beruht auf einer grossartig konzipierten Lebenskunde, die den psychophysischen Dualismus des Abendlandes vermeidet und sich statt dessen der ganzen menschlichen Existenz zuwendet.


Indien, wo es schon vor mehr als 4500 Jahren blühende Hochkulturen gab, ist Heimat dieser Heilkunde. Mythen besagen, dass das erstaunliche Wissen dieser komplexen Menschen- und Lebenskunde ein Geschenk der Götter an die Menschen war. Brahma, der Schöpfer, habe die Wissenschaft vom Leben in 1000 Strophen von jeweils 1000 Kapiteln zusammengefasst, die Lehre aber später wegen der Kürze des menschlichen Lebens und der begrenzten Kapazität des menschlichen Gedächtnisses auf acht Einzelbereiche reduziert.

Im Mythos übergibt Brahma die Ayurveda an Prajapati, den "Herrn der Geschöpfe". Der wiederum reicht die Ayurveda an die "Asvins", die göttlichen Ärzte, weiter. Die "Asvins" übermittelten Ayurveda dann "Indra", dem "Gott der Götter". Die Weitergabe an die Menschen wird dann wie folgt beschrieben: Vor ewigen Zeiten wohnten die Menschen an Flüssen, in Wäldern und an Berghängen. Sie lebten lange und kannten nur wenige Krankheiten, hielten sich an strenge Regeln und pflegten enge Beziehungen zur Natur und zum Göttlichen. Später entstanden erst kleinere, dann immer grössere Städte. Es entwickelte sich eine städtische Kultur, die aber die Menschen von der früheren gesunden Lebensweise wegführte.

Es traten Krankheiten auf, gegen die kein Kraut gewachsen zu sein schien. Die Menschen schickten einen Boten zu "Indra", um dessen Rat einzuholen. Unterwegs begegnete ihm schon "Indra", der schliesslich die Menschen das Wissen vom Leben, die Ayurveda, lehrte Die nach-vollziehbare Geschichte der Ayurveda beginnt mit den "Veden", den vier Sanskrit-Schriften, die als die ältesten Zeugnisse der indischen Literatur gelten. In der zwischen 1500 und 1000 v. Chr. entstandenen "Rig Veda"werden bereits Operationen, Prothe-sen und 67 Heilpflanzen beschrieben. Die "Atharva Veda" dokumentiert um 700 v. Chr. eine erstaunliche Weiterentwicklung der Heilkunde: Sie führt 290 Heilpflanzen auf, erläutert diverse Therapien für verschiedenste Krankheiten und formuliert die Lehre vom Menschen in Gesundheit und Krankheit.

Der erste, namentlich bekannte, historisch belegte Arzt war Charaka, der zwischen 1000 und 700 v. Chr. gelebt haben dürfte. Er schrieb sein medizinisches Wissen in der "Charaka-Samhita" nieder, die als eine der drei Säulen der Ayurveda gilt. Dieses geniale Kompendium früher ärztlicher Kunst enthält eine systematische Beschreibung von Krankheiten sowie ihrer Diagnose, die auf der sorgfältigen Beobachtung des klinischen Bildes, der Feststellung der Ursache, der Krankheitsentwicklung, der physischen Veränderung sowie der Persönlichkeit des Pa-tienten, seiner Konstitution und Disposition beruht. Sowohl erbliche Veranlagungen als auch die ersten Anzeichen einer möglichen Erkrankung werden in die Diagnose einbezogen. Charaka erwähnte bereits mehr als 500 Heilpflanzen und deren mögliche Dosierung bei bestimmten Krankheitsbildern.

Das zweite wichtige Werk der Ayurveda-Literatur ist die "Sushruta-Samhita". Sie entstand ca. 200 Jahre nach der "Charaka-Samhita" und enthält auch für den heutigen Arzt eine Vielzahl von Informationen über chirurgische Eingriffe. Als dritte Säule der Ayurveda gilt die "Astangahrdaya" des Arztes Vagbhatas, der im 7. Jahrhundert n. Chr. lebte. Er kombinierte das medizinische Wissen aus Tibet und China mit den Erkenntnissen der Charaka und der Sushruta Es gilt heute als sicher, dass Asien die Wiege der medizinischen Wissenschaft war. Auf den ostwestlichen Handelswegen wurde auch medizinisches Gedankengut transportiert. Auffallend sind Ähnlichkeiten der Ayurveda mit der altchinesischen Physiologie und auch physiologische Vorstellungen, die mit denen der westlichen Antike nahezu identisch sind. Die Nähe der "Drei-Säfte-Lehre" zu dem antiken Modell des Hippokrates ist verblüffend. Auch der berühmte Arzt von der Insel Kos sprach von Schleim, Galle und Blut als wichtigsten Grundlagen für Gesundheit und Krankheit. Die neuralgischen Punkte, die in der chinesischen Akupunktur eine wichtige Rolle spielen, sind auch in der Ayurveda bekannt; zur Behandlung werden in der Ayurveda jedoch keine Nadeln benutzt, sondern Druckmassagen – eine Art Akupressur. Berücksichtigt man, dass die medizinische Wissenschaft Chinas während der kulturellen Blüte im Jahre 200 v. Chr. einen Aufschwung erlebte, so wird angesichts des "Alters" der Ayurveda und der Han-delswege zwischen Indien und China aus der Vermutung grösste Wahrscheinlichkeit, dass auch die chinesische Medizin im Ayurveda ihren Ursprung hat bzw. darauf zurückgeführt werden kann.

Unter Kaiser Ashoka wurde in Indien der Buddhismus Staatsreligion. Im ganzen Land wurden Krankenhäuser gebaut, Ärzte und Pflegepersonal ausgebildet und Heilkräutergärten angelegt. Während dieser Zeit (etwa 350 v. Chr.) gehörte das ayurvedische Wissen zum wichtigen Rüstzeug der in ganz Asien missionierenden buddhistischen Mönche. Mit dem Buddhismus breitete sich die Ayurveda in Asien aus: In Tibet, Zentralasien, Sri Lanka, China, Japan, Indochina und Indonesien werden noch heute Ayurveda bzw. davon abgeleitete Heilkunden praktiziert In Europa sind ayurvedische Einflüsse bereits für die Antike nachweisbar.

Der Römer Galenus Galen, der legendäre Leibarzt des Kaisers Marcus Aurelius, prägte mit rund 400 heilkundlichen Schriften die Entwicklung der Medizin Europas nachhaltig. Galenus war ein überzeugter Anhänger von Hippokrates und sorgte dafür, dass viele medizinische Lehren der klassischen Antike bis weit in die Neuzeit hinein überlebten.

Das Bindeglied zwischen Ayurveda und den heute praktizierten Naturheilverfahren, die in ihr ihren Ursprung haben, bildet die Eroberung Indiens durch die Muslime, Ende des 8. Jahrhunderts nach Christus. So wurde die Unani-Medizin, eine Mischform aus arabischer und griechischer Tradition, nachhaltig durch die Ayurveda beeinflusst. Sie gelangte dann im "Heiligen Krieg", dem Bekehrungsfeldzug der Sarazenen auch nach Sizilien, Süditalien, Südfrankreich und Spanien und von hier dann weiter nach Mitteleuropa.

Während im Abendland die Alchimisten auf der Suche nach dem Elixier des Lebens und dem Rezept zur künstlichen Herstellung von Gold chemische Prozesse und neue Substanzen entdeckten, erforschten in Indien Nagaryuna und seine Schüler die medizinische Wirksamkeit von Mineralien und Metallen und entwickelten komplizierte Herstellungsverfahren für mineralische und metallische Medikamente - eine medizinische Grundlagenforschung, die in Europa erst Jahrhunderte später Bedeutung erlangte.

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Prinzip der Harmonie
Verjüngungskur für Körper und Geist

Ayurveda sieht den Menschen als Abbild des Universums. Jedes Lebewesen und jede Pflanze vereinigen in sich fünf Grundelemente: Feuer, Erde, Wasser, Luft und Äther. Ausgehend von diesen fünf Grundelementen gibt es drei physiologische Prinzipien oder Temperamente (Doshas), mit denen sich alle körperlichen Funktionen beschreiben lassen:

Pitta – Hitze und Feuer – ist verantwortlich für den Stoffwechsel.

Kapha
– Erde und Wasser – ist verantwortlich für den Zusammenhalt, die Widerstandsfähigkeit und die Struktur des Körpers.

Vata
– Luft und Äther – ist verantwortlich für jede Art von Bewegung. Es kontrolliert die Sinnesorgane und den Geist.

 

Alle drei Doshas im Körper sind für die Aufrechterhaltung des Lebens wichtig. Sie stehen seit der Geburt eines Menschen in einem für diesen charakteristischen Verhältnis fest.

Das Wissen über den Konstitutionstyp und das vorherrschende Dosha im Körper ist von grossem praktischen Wert. Sowohl für den Heilungssuchenden, der so seine konstitutionellen Voraussetzungen verstehen und danach zu leben lernt, als auch für den Heilenden, der so gezielt behandeln kann.

Krankheiten entstehen, wenn die Harmonie der Doshas im Körper gestört ist. Dieses Gleichgewicht wird durch ein Leben im Einklang mit dem Naturgesetz gewährleistet. Falsches Verhalten und falsche Ernährung stören das Gleichgewicht und führen zu Krankheiten. Ayurveda lehrt, wie Krankheiten durch eine entsprechende Ernährung und vernünftige Lebensweise geheilt und gebessert werden.

Eine ayurvedische Therapie umfasst Bäder, ausgeklügelte Massagen und Kräuterbehandlungen. Die Heilmittel werden nach alter Tradition aus einem Fundus von über 500 Kräutern, Wurzeln und anderen Pflanzenteilen nach zum Teil sehr langwierigen und kostspieligen Verfahren hergestellt. Eine große Rolle spielt die Ernährung. Sie basiert auf gut gewürzten vegetarischen Speisen, erlaubt aber auch "weißes Fleisch" wie Geflügel und Fisch. Als beste Zeit für eine Ayurveda-Kur gilt der Monsun: Wenn sich im Sommer, zur Zeit der warmen tropischen Regen, die Natur ringsum nach der langen Trockenheit verjüngt und erneuert, ist auch der menschliche Körper für eine Erneuerung ganz besonders empfänglich.

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Behandlungsmethoden

Panchakarma-Kur

Wichtige vorbereitende Intensivbehandlungen, die auf die verschiedenen Kuren wie Pizhichil, Njavarkizhi, Ilakizhi, Snepanam, Swedanam, Sirodhara, Sirovasti und Abhyangam einstimmen. Die ayurvedischen Panchakarma-Behandlungsformen sind: Abführen (orale Drogen), Nasyam, Einlauf, Erbrechen und Aderlaß.

Die Panchakarma-Kur sollte nur nach Anordnung des Ayurveda-Arztes und unter dessen ständiger Betreuung angewandt werden.

Pizhichil - Ölbad
Bei dieser Behandlung liegt der Patient in einer flachen Holzwanne (Dhara Patthi). Mit einer leichten Massage wird das auf 60°C erwärmte Öl auf dem ganzen Körper verteilt und von mehreren Masseuren einmassiert.

Empfehlenswert bei allen Vata / Kapha-Störungen wie dem gesamten rheumatischen Formenkreis (Spondilitis, Arthritis, Bechterew etc.), Nervenschwäche, Diabetes, Bluthochdruck, Asthma und Regeneration

Njavarakizhi - Reisbeutelmassage
Mit Kräutern angereicherter Bergreis wird in faustgroße Leinenbeutel gepackt und in Kuh- oder Ziegenmilch gekocht. Der Körper wird mit dem warmen Beutel abgerieben.

Empfehlenswert bei Muskelschwund, Rheuma, Sportverletzungen, Auszehrungen des Körpers, Bandscheibenvorfall, verschiedenen Hauterkrankungen. Die Reisbeutelmassage bewirkt eine Regeneration der Sinova (Gelenkflüssigkeit) sowie des Knorpelgewebes und ist bei Arthrose sehr wirkungsvoll.

Ilakizhi – Kräuterbeutelmassage
Mit sieben Kräutern, Kokosnuss und medizinischem Salz gefüllte faustgroße Leinenbeutel werden in Kräuteröl gekocht und auf den Körper gerieben.

Empfehlenswert bei entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates, Gelenkschmerzen, Steifheit der Glieder, Unfallfolgen.

Sirodhara – Kopfguss mit Öl
Kräuteröle, mit Kräutern angereicherte Milch oder Joghurt werden in einer bestimmten Art und Weise auf die Stirn gegossen.

Empfehlenswert bei chronischen Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, geistigen Spannungen, Hysterie, Halluzinationen und Gedächtnisverlust.

Sirovasti – Kopf-Ölbad
Warmes Kräuteröl wird in eine auf dem Kopf sitzenden oben offene Kappe gegossen.

Empfehlenswert bei ernsthaften Nervenproblemen wie Zuckungen der Gesichtsmuskulatur, Spasmen, Schiefhals, schweren Gehirn- und Nervenkrankheiten (Parkinsonsche Krankheit). Trockenheit der Nase, des Munds und des Rachens.

Udvarthanam – Pulvermassage
Kräuterpulver werden trocken auf den Körper massiert. Die Massagerichtung ist entgegengesetzt zu den anderen Techniken zum Herz hin gerichtet.

Empfehlenswert bei Hemiplegie, leichten Lähmungen und besonders bei Dickleibigkeit.

Snehpanam – Sättigung des Körpers mit Ghee
Mit Medikamenten angereichertes Ghee (ausgelassene Butter) wird über einen längeren Zeitraum mit ansteigender Menge oral eingenommen, bis es zu einer Sättigung des Körpers kommt.

Empfehlenswert bei Körpervergiftung durch Schwermetalle, bestimmten Magen- und Darmkrankheiten (Kolitis), Depressionen, Linderung bei Suchtkrankheiten, Blutarmut, Osteoarthritis und Leukämie.

Swedanam – Kräuterdampfbad
Hierbei liegt der Patient in einem Holzkasten auf einem Bananenblatt (Kopf ausgeschlossen), Kräuterdampf wird hineingeleitet bis starkes Schwitzen eintritt.

Empfehlenswert bei Atmungsproblemen, Sinusitis, chronischem Schluckauf, nicht entzündlichen Rheuma-Arten.

Abhyangam – Ganzkörpermassage
Warmes Kräuteröl wird von zwei Masseuren rhythmisch und synchron einmassiert.

Empfehlenswert bei allen einfachen Problemen wie Ruhelosigkeit, Kreislauf- und Verdauungsschwäche, oberflächlichen Blockaden, Verspannungen etc. und wird immer als Einstimmung auf Intensivbehandlungen und in der Regenerationsphase angewendet.

Nasyam – Säuberung der Nase
Bei dieser Behandlung steht dasInhalieren von Ölabkochungen oder mit Medizin angereichertem Ghee durch die Nase auf dem Programm.Vorher erfolgt eine Gesichtsmassage und Abreibung mit trockenen, heißen Tüchern.

Empfehlenswert bei Krankheiten im Kopfbereich, besonders der Nasennebenhöhlen sowie Augen, Kopfschmerzen, Nervenschmerzen im Kopfbereich, Halswirbel-Problemen.

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